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Reportage

Gute N8, Bildung!

Gute N8, Bildung!

von Iva M., Jahrgang 1992, am 24.02.2010

G8, raubt uns die Nacht! Wir sind überarbeitet, die Lehrpläne leider nicht! Kuh 11 stinkt! Versuchs-Q-ninchen…
Das waren einige der vielen Sprüche, die am zweiten Freitag im Februar  auf den Straßen Münchens die Aufmerksamkeit erweckten. An diesem Tag versammelten sich bayernweit Gymnasiasten um gegen das G8 zu demonstrieren. In München kamen sogar mehr als 4000 Schüler auf dem Odeonsplatz zusammen. Ihr Protest richtet sich gegen die hohen Stundenzahlen und die enorme Stofffülle in der neuen Oberstufe. Sie wollen auf die Probleme aufmerksam machen.

Doch wieso wurde das achtjährige Gymnasium überhaupt erst eingeführt?
Als Hauptargument wird die in Deutschland vergleichsweise lange Schulzeit genannt. Durch das verkürzte Gymnasium hat man die Möglichkeit, früher in das Studium und in den Beruf einzusteigen. Die Umstellung auf das achtjährige Gymnasium ist in ganz Deutschland momentan im Gange, entwickelt sich jedoch zeitlich und inhaltlich sehr unterschiedlich.
Ein Jahr weniger soll nicht gleich weniger Wissensvermittlung heißen, so die Absicht der Bildungspolitiker. Man wolle die Qualität des Abiturs beibehalten, hieß es. Darauf wurde das gestrichene Jahr auf die restliche Schulzeit verteilt. Dieser überstürzte und offensichtlich schlecht durchdachte Beschluss brachte Probleme.

Ernst-Mach-Gymnasium, Haar. 16.30 Uhr.
Die Schülerin Marie S. (17) erzählt: „Ich bin seit heute früh in der Schule, zwei Stunden Unterricht habe ich noch vor mir. Wenn ich heute Abend nach Hause komme, muss ich mich gleich schon wieder für den nächsten Tag vorbereiten. Durch das G8 bleibt einem kaum Zeit für Erholung, Freizeit und Freunde.“

So geht es momentan tausenden von Schülern in der neu eingeführten Oberstufe. Die durchschnittliche Wochenstundenzahl: 36 Stunden. Rechnet man noch die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts dazu, kommt ein Schüler schnell auf mindstens 45 Arbeitsstunden pro Woche, ein eindeutiger Verstoß gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz. Nach diesem dürfen Jugendliche nämlich nicht mehr als 40 Stunden wöchentlich beschäftigt werden.
Dadurch rückt das Leben der Jugendlichen außerhalb der Schule in den Hintergrund: Freunde sieht man meist nur noch während der Schulzeit, die Familie an vielen Tagen frühestens zum Abendessen. Auch können viele ihre Hobbys nicht wie gewohnt ausüben; es fehlt einfach die Zeit. Oder man ist zu müde. Die Wochenenden, die eigentlich dazu da sind, sich zu erholen und sich anderen Aktivitäten widmen zu können, müssen zusätzlich zum Lernen genutzt werden. Maria sagt: "Die Stofffülle ist enorm und kann nicht unter der Woche bewältigt und verstanden werden."

Ein weiteres Problem des verkürzten Gymnasiums ist der doppelte Abschlussjahrgang, jedenfalls für die sogenannten "Versuchs-Q-ninchen" und für den vorheringen Jahrgang: Die letzte Generation des G9 wird mit der ersten Generation des G8 fertig. Die Konkurrenz ist groß und die versprochene Chancengleichheit sieht man eher skeptisch, denn die „Älteren“ haben es einfacher, sagen die Jüngeren. Maria:"Die Schüler des G9 haben ca. 15-20% weniger Unterricht, das heißt, es bleibt mehr Zeit für das Lernen." Außerdem diente in dem alten System die elfte Jahrgangsstufe zur Vorbereitung auf die Oberstufe. Die Schüler des G8 dagegen wurden ins kalte Wasser geworfen: Keiner konnte ihnen genau erklären, was sie erwartet, keiner wusste es genau.

Kultusminister Ludwig Spaenle kam zu der Abschlusskundgebung und sprach zu den Demonstranten: „Ich nehme jede Beschwerde und jedes Problem, dass von Ihnen genannt wird, sehr, sehr ernst.“ Nun können die Schüler hoffen, dass das derzeitige Bildungssystem nochmals gründlich durchdacht und verbessert wird- Überarbeitung der Lehrpläne, geringere Stofffülle, Chancengleichheit. Dann hat man auch wieder Zeit für das Leben…

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