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Porträt

Kind bleibt Kind

von Nelly Pfeifer, Jahrgang 1989, am 04.03.2010

Da will man ein Leben lang erwachsen werden. Und wenn’s dann so weit ist, dass man eigene Entscheidungen treffen darf oder sogar soll, will man wieder zurück.

Zurück zur Mutter,die immer hinter dir steht, wenn du beim Versuch eine Treppe zu überspringen, stolperst.

Zurück zum Vater, der mit Rat und Tat jeden deiner Wünsche versucht zu erfüllen.

Zurück zur Schwester, mit der du dich streiten und garantiert wieder versöhnen kannst.

Zurück zur ersten besten Freundin, mit der du deine ersten und besten Abenteuer durchlebst.

Zurück zum ersten Freund, der einen noch auf Händen trägt und in jeder Situation zu dir steht.

Zurück in den Ort, den du bist auf die kleinsten Ecken kennst. Zurück zu diesem Gefühl, das einem sagt, dass alles wieder gut wird.

Jetzt bin ich hier. Alleine in meinem Appartement. Ohne jeglichen Rückhalt, völlig ahnungslos, irgendwie sogar absolut verwirrt! Jeder Plan, den ich mir zurechtlege hat massive Lücken, wenn ich ihn ein zweites Mal durchdenke. Keiner da, der mir ‘n Tipp gibt oder mir beim Auf- und Ausbau meiner Ideen hilft. Die beste Freundin an ihre große Liebe weitergegeben, aufgegeben. Selbstlos, doch der Gedanke, sie sollte lieber bei mir sein, irgendwie egoistisch.An einen Freund nicht zu denken in dieser Situation! In meinem Alter sind die ja alle noch viel wahn- und schwachsinniger als ich, was zur Folge hätte, dass ein “wir” doppeltes Chaos bringt. Hier in der Großstadt ist alles und jeder fremd, selbst wenn man so viel Zeit damit verbringt… Alles ist so ungewiss, weil mir hier der Weitblick fehlt. Also wollte ich weg hier… Dahin, wo es anders sein soll. Also nach Holland.

Ein halbes Jahr später hat sich nichts geändert. München ist mir immer noch fremd. Die Menschen haben sich nicht geändert, der Rest erst Recht nicht. Zu Hause bleibt einfach zu Hause.

Es ist genau da, wo meine Eltern sind, die 6 Monate lang- Tag ein, Tag aus - um mich bangten, mich unterstützten, wenn auch nur aus der Ferne.

Wo meine Schwester sehnsüchtig auf mich wartet, um im Anschluss zu streiten und wieder zu versöhnen, einfach wieder mit mir zu sein, Schwester zu sein.

Endlich wieder Berge, die einen umgeben, wie liebende Arme und das Gefühl der Sicherheit wiedergeben.

Endlich wieder die neugierigen Nachbarn, die tatsächlich interessiert wie’s einem geht und was man macht, um Neuigkeiten mit anderen Nachbarn austauschen zu können.

Endlich wieder der verrauchte, stinkige Laden, voll schräger Leute, den ich so sehr liebe.

Mein Leben spielt sich trotzdem in München ab, hier kann ich mich anonym und unbeobachtet entfalten. Aber zu Hause bleibt dort. Bei ihnen... Da wo ich schon immer Kind war und immer bleibe.

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